Hölle und zurück

Salzkammergut Trophy Extrem – der 2. Versuch

Date :: 15. Juil 2006
Time :: 05:00 Uhr
Location :: Bad Goisern (AUT)
Distance :: 200km / 7000 HM
Mission :: Einmal Hölle und zurück

gois06
Über 200 Teilnehmer und fast alle Gewinner der letzten Jahre auf der Extrem-Distanz fanden sich um 5:00 Uhr früh in Bad Goisern ein, um sich wieder der Herausforderung von 203 km und rund 7000 Höhenmeter zu stellen – mitten unter den Langdistanz-Marathonisti meine Wenigkeit.

Ich hatte mich akribisch vorbereitet, fühlte mich körperlich topfit und war hoch motiviert innerhalb der 16 Stunden zu finishen.
Anspannung kurz vor dem Start
Pünktlich um 5:00 Uhr fiel der Startschuss und ab ging die Post.

Schon am ersten Anstieg war das Tempo ziemlich hoch. Da gilt das Motto: „So gut es geht dran bleiben und trotzdem deinen optimalen Rhythmus finden.“ Dies dürfte mir ganz gut gelungen sein. Bei den Anstiegen machte sich das von meinem sportlichen Betreuer Mag. Erik Fischer verordnete Krafttraining auf dem Rennrad bezahlt.

:: 08:00 Uhr ::

Nach rund 60 km gab es dann bei der Abfahrt am berüchtigten Rettenbach-Trail den ersten Rückschlag. Auf einem der sehr glitschigen Felsen rutschte mir das Vorderrad weg und schon köpfelte ich über den Lenker talwärts. Mein heiliges Simplon Stomp kam sekundenbruchteile später über mich geflogen. An dieser Stelle war ein derartiger unästhetischer Abstieg vom Rad nicht ungefährlich, weil sich der Hang zu meiner Rechten rund 3 Meter beinahe senkrecht nach unten stürzte.
Energie, Energie, Energie, ..
Ausser einem geprellten Handballen, aufgeschlagener Knie und einer unwiederbringlich im Abgrund verlorenen, mit meinem Powergemisch befüllten Trinkflasche ging der Sturz aber doch noch glimpflich aus. Leider hatte sich der Lenker etwas verdreht, was auch noch repariert werden musste. Nach rund 5 Minuten Zeitverlust setzte sich meine Fahrt mit einer gehörigen Portion mehr Respekt vor diesem Trail fort. Der Muskelansatz über dem Knie schmerzte etwas und die Wunden bluteten, aber aufgeben kam nicht in Frage.

Ich war mir sicher, dass ich beim gleich folgenden langen, zähen Anstieg auf den Bad Ischler Salzberg sowieso keinen Gedanken für etwaige Wehwehchen übrig hatte.

:: 11:45 Uhr ::

Die erste Runde hatte ich schließlich in einer Zeit von etwa 6:45 Stunden absolviert und ich fühlte mich hervorragend. Noch, denn auf dem langen Asphaltanstieg am Beginn der zweiten Runde konnte sich die Hitze so richtig entfalten und wurde unerträglich.
37 Grad Celsius, kein Lüftchen und einfach der Gedanke erst am Anfang der zweiten Runde zu sein zermürbten meinen entschlossenen Finisher-Gedanken und meinen Kreislauf.

Jetzt war der berüchtigte Moment gekommen, wo der Körper „njet“ sagt und du dich mit dem Kopf Meter für Meter den Berg hinaufquälst. Rund eine Stunde mehr Fahrzeit bis Bad Ischl hatte mich dieses Tief gekostet und in diesen Momenten dachte ich mehrmals – „Nie mehr wieder!“

:: 18:00 Uhr ::
Am vorletzten Berg kamen dann die Lebensgeister und mit ihnen die schnellen Beinchen zurück. Mit ziemlichem Speed, aber trotzdem mit Bedacht keinen Sturz oder Defekt zu erleiden, fegte ich über den Trail Richtung „Ewige Wand“.
Bei der letzten Labe vor dem allerletzten Berg hatte ich nur einige Minuten Rückstand auf meine Bikekollegen vom Start. „Noch ein Gel und die letzten Kraftreserven mobilisieren“, im vollen Renntempo kurbelte ich den letzten Anstieg hoch. Sogar einige Teilnehmer von der 100 km -Distanz hefteten sich an meinen Hinterreifen – das war ein gutes Zeichen.

Auf den letzten Kilometern bis Goisern waren alle Schmerzen vom Sturz und im oberen Rücken wie weggeblasen, so viele Glückshormone durchströmten wie verrückt meinen Körper.

Nach 14 Stunden und 52 Minuten war der ersehnte Moment da: das Finish in Bad Goisern!
Super Stimmung im Zielgelände! Zufrieden und überglücklich hielt ich das begehrte T-Shirt mit dem Aufdruck
Finisher Shirt 200km
„Survivor – Pain has a name:Salzkammergut-Trophy“ in den Händen.